Gastbeitrag von Gabriele Borgmann

Wenn Sie Ihr Unternehmen gründen, dann flackern viele Fragen am Horizont auf: Wie stelle ich mein Unternehmen dar? Wie erreiche ich meine Kunden und wie die Medien? Wie werde ich wahrgenommen mit meiner Leistung, meinem Service, mit meiner Haltung am Markt?

Um sich auf das Wesentliche zu fokussieren, schreiben Sie zunächst den Business-Plan. Im besten Falle fächert er Ihre Kernkompetenz auf, gibt Ihrer Idee von Zukunft eine Substanz. Und diese Zukunft ruft geradezu nach einem Bild. So greifen Sie zum Telefon, wählen die Nummer der Agentur Ihres Vertrauens und beauftragen die kreativen Köpfe: Kreieren Sie ein Logo, empfehlen Sie uns eine Hausschrift, ein Farbklima, eine Papierqualität. Erstellen Sie uns ein Layout für Website und Broschüre.

Das Corporate Design ist die Grundlage für Ihre Sichtbarkeit am Markt. Es ist ein essentielles Merkmal und Sie sind gut beraten, hierauf größten Wert zu legen. Was wäre Coca Cola ohne den markanten Schriftzug auf rotem Grund, was wäre Mercedes ohne seinen Markenstern? Solche Wiedererkennungswerte bedürfen keiner Worte – ein Design wirkt schweigend. Aber diese Kunst ist nur die halbe Wahrheit. Sie ist ein Eyecatcher, ein erster Verführer, nur eines bietet sie nicht: Stoff für Geschichten. Richten wir also den Blick auf die zweite Hälfte der Wahrheit: auf Ihre Texte. Für mich sind sie das wichtigste Instrument der Kommunikation.


Business-Texte: Spiel mit Tönen

Gute Business-Texte bergen eine Fülle von Chancen, um sich in den Gedanken Ihrer Mitarbeiter und Kunden zu verankern, um die Medien aufhorchen zu lassen und die Netzwerke enger an sich zu binden. Dazu bedarf es keiner Agentur. Sie allein sind der Autor, der Schöpfer einer jeden Zeile, die Ihr Unternehmen verlässt. Wer könnte Ihrer Idee von Leistung und Service mehr Tiefe geben als Sie und Ihre Mitarbeiter, als jene Menschen, die sich täglich für den Unternehmenserfolg einsetzen? Dazu brauchen Sie eines: Das Wissen um die Wirkung Ihrer Schreibstimme. Von der E-Mail bis zum Geschäftsbericht gilt: Verzichten Sie auf Bausteinsätze, auf Plattitüden, auf abgedroschene Floskeln. Finden Sie die Schreibstimme, die zu Ihrem Business passt wie das Logo auf Ihrem Papier.

Eine Schreibstimme spielt mit Tönen. Sie klingt mal laut, mal leise. Sie verändert den Rhythmus aus kurzen und langen Sätzen. Sie erzählt, berührt, kitzelt, umgarnt den Leser. Leider wird diese Stimme in Business-Texten häufig farblos. Dann scheint der Autor auf Distanz zum eigenen Wort zu gehen und damit geschieht eines: Die rechte Gehirnhälfte zieht sich zurück. Dort wohnen die Kreativität, die Leichtigkeit, die Freude am Schreiben. Stattdessen übernimmt die linke Gehirnhälfte das alleinige Kommando. Dort sitzen das Wissen, die Logik, das Regelwerk für Sprache. In diesem Ungleichgewicht entstehen Sätze der Information. Die reihen sich aneinander, vorwiegend verschachtelt, substantiviert und mitunter im Passiv. „Nichts ist leichter als so zu schreiben, daß kein Mensch es versteht“, resümierte einst Arthur Schopenhauer und brachte die Sorge mancher Unternehmer auf den Punkt.

Es geht auch anders: Angenommen, Ihr Leser steht vor Ihnen. Sie blicken in seine Augen, Sie reden, gestikulieren, bedienen die gesamt Klaviatur Ihrer Töne, um vom Wert Ihrer Leistung zu überzeugen. Die Begeisterung schlägt Wellen. Alles verändert sich: Ihre Körperhaltung, Ihre Ausstrahlung, sogar Ihr Hautwiderstand. Ihr Gegenüber kann gar nicht anders, als Ihnen zuzuhören. Der Funke springt über, weil Sie Impulse setzen, die weit über eine Sachlichkeit hinausgehen. Sie berühren mit Worten. Wenn Sachlichkeit und Emotion sich verweben, dann sind die rechte und linke Gehirnhälfte im Einklang, dann entstehen Texte mit Charakter.


Sprint zur Kreativität

Wie wäre es, Sie würden diese Szene auf Papier übertragen? Das ist möglich mit einer Methode aus dem kreativen Schreiben. Sie wärmt die Gedanken auf für ein Projekt, wirkt wie ein Training vor dem Wettkampf. Sprinten wir gemeinsam, um die Kreativität zu wecken:

  • Ignorieren Sie den inneren Kritiker, missachten Sie jegliche Hemmungen. Schreiben Sie einfach drauflos. Gleiten Sie einmal zehn Minuten lang mit einem Stift über ein Blatt und vergessen Sie alle Normen. Unter der Überschrift: „Was ich als Unternehmer leisten will“ lassen Sie Ihren Gedanken und Gefühlen freien Lauf. Schon nach zwei, drei Minuten öffnen sich Schleusen im Gehirn hin zu tieferen Bahnen. Sie gelangen in einen wahren Schreibrausch. Formulieren Sie am Ende einen Kernsatz. Der mag Ihre Motivation sein, als Unternehmen aufzubrechen, um diese Welt täglich ein bisschen bunter zu machen.

In meinem Buch „Business-Texte. Von der E-Mail bis zum Geschäftsbericht“ ermuntere ich Sie, anders zu texten als die anderen. Um aufzufallen. Um die Balance aus Regeln und Kreativität auszuloten. Aufmerksamkeit erreichen Sie nicht mit Zeilen von der Stange, sondern mit ehrlichen, wertschätzenden, wirksamen Worten.


Über die Autorin:

Gabriele Borgmann ist Ghostwriterin und Autorin für Sachbücher und Unternehmensbücher. Sie berät rund um die Themen Business-Texte und Schreibperspektiven, um die Sprache in Unternehmen lebendig und angemessen zu gestalten. Mehr auf http://www.raum-zeichen.de

Ausführliche Hinweise zu Textsorten, Projektarbeit und Vermarktung finden Sie im Ratgeber von Gabriele Borgmann „Business-Texte. Von der E-Mail bis zum Geschäftsbericht. Das Handbuch für die Unternehmenskommunikation“. Eine Leseprobe finden Sie bei Amazon

Buch Businesstexte

 

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