Diesen Artikel habe ich für Querdenker und Change-Maker geschrieben, die …

1. … wirklich nachhaltige Systeme aufbauen wollen.
2. … die dabei die Bedürfnisse aller Beteiligten berücksichtigen möchten.
3. … Situationen bestmöglich einschätzen wollen.
4. … nach richtig guten Lösungen für komplexe Herausforderungen suchen.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen und viele Aha-Erlebnisse beim Ausprobieren.

»Der Traum von heute ist die Wirklichkeit von morgen.«
Sri Chinmoy

Wahrscheinlich haben Sie schon mal die Erfahrung gemacht, dass Sie ein Problem (oder Projekt) schnell vom Tisch haben wollten und deshalb …

  • … voreilig Schlüsse zogen, die sich später als falsch erwiesen.
  • … zur erstbesten Lösung griffen, die sich als neues Problem entpuppte.
  • … in euphorischen Aktionismus verfielen, der viel Energie verschlang, Sie aber nicht die gewünschten Ergebnisse erzielten.

Wahrscheinlich haben wir alle schon mal Entscheidungen getroffen, aufgrund von Zeitdruck, falschen Vorannahmen oder wildem Aktionismus. Ist ja auch nicht weiter schlimm, nur wirkliche Veränderungen werden uns so nicht gelingen.

»Man schafft niemals Veränderung,
indem man das Bestehende bekämpft.
Um etwas zu verändern,
baut man neue Modelle,
die das Alte überflüssig machen.«
Buckminster Fuller

Was möchten Sie aktuell in die Welt bringen? Was inspiriert Sie und möchte durch Sie realisiert werden? Welche Idee wollen Sie verwirklichen?

Wenn wir neue Modelle bauen wollen, die überholte Strukturen ersetzen und nachhaltige Systeme ermöglichen sollen, brauchen wir vier spezielle Fähigkeiten:

  1. GANZHEITLICH BEOBACHTEN
  2. KOMPLEX DENKEN
  3. FLEXIBEL PLANEN
  4. VERANTWORTLICH HANDELN

DIE KUNST DER GANZHEITLICHEN BEOBACHTUNG

Eine wichtige Erkenntnis erlangte ich, als ich im April bei der Permakultur Akademie eine Fortbildung begann.

Wir, meine Kommilitonen und ich, strebten danach zu lernen, wie sich zukunftsfähige Konzepte entwickeln und etablieren lassen. Wir wollten lernen, wie wir nachhaltige Lebensformen und Lebensräume aufbauen können. Keiner wollte sich selbst oder andere dabei überfordern und einengen.

Hört sich schlüssig an, ist aber gar nicht möglich, solange wir die grundlegendste der vier Fähigkeiten nicht beherrschen: Die Kunst der ganzheitlichen Beobachtung. Während diverser Lernprojekte des Permakultur–Design-Kurses, erkannten meine Mitlernenden und ich:

Ideen entwickeln, Lösungen finden und Schritte planen, funktioniert bei uns allen super. Macht allen Spaß. Informationen analysieren, Fakten auswerten und Bewertungen vornehmen, funktioniert auch.
Ganzheitlich beobachten, war aber nicht so unser Ding.

Bei den meisten von uns funktionierte es (anfangs) nicht wirklich gut. Spaß machte es auch nicht. Mir zumindest nicht.

Zunächst war ich erstaunt. Dann wurde mir klar: Wir waren es einfach nicht mehr gewohnt, an eine Aufgabenstellung heranzugehen und vorhandene Objekte neutral zu betrachten.

Wir waren nicht mehr in der Lage, unvoreingenommen, mit den Augen eines Kindes, in die Welt zu schauen.

Unsere Gehirne fingen immer wieder an, Objekte zu analysieren, Ideen zu produzieren, Lösungen zu generieren – bevor wir wirklich erfasst hatten, worum es im Großen und Ganzen ging!

Fatal, wenn wir neue Modelle entwerfen wollen, die das Alte überflüssig machen sollen. Wie sollen diese Modelle für Stabilität sorgen, wenn wir nicht berücksichtigen, was ist?

Seit Jahren stelle ich mir die Frage: Woran scheitern die meisten Pläne für nachhaltige Veränderungen?

Ich glaube, es liegt daran, dass wir die Lebendigkeit in Systemen unberücksichtigt lassen.

Selten nehmen wir uns die Zeit, Energie- und Fließströme ausgewogen zu beachten. Selten hinterfragen wir das bestehende Paradigma.

Nur widerwillig öffnen wir uns für Lösungen jenseits unseres bestehenden Glaubenssystems.
Viel zu schnell beginnen wir zu denken, zu planen und zu handeln.

Am liebsten, auf Grundlage unseres bestehenden Glaubenssystems. Da fühlen wir uns sicher, da kennen wir uns aus.

Doch da entsteht nichts Neues!

Da finden wir nur Lösungen, die das Bestehende bestenfalls positiv verändern – selten nachhaltig regenerieren.

WAS ES BEDEUTET, IM BUSINESS ZU BEOBACHTEN

Im Business ist eine neutrale Beobachtungszeit meist nicht vorgesehen.

  • Warum etablieren trotzdem immer mehr Pioniere und Change-Maker Beobachtungszeiten in ihrem Leben?
  • Welche besonderen Erfahrungen machen sie dabei?
  • Welchen Mehrwert liefert ihnen diese Form der Informationsbeschaffung?
  • Lohnt sie sich überhaupt?

Die wahren Erkenntnisse schreibt das Leben. Ziehen Sie aus der folgenden Beschreibung Ihre eigenen Lehren.

Ein Klient von mir ist, derzeit als Leiter des Ressorts Weiterbildung, in einem mittelständischen Unternehmen tätig.

Seine Arbeitssituation war im vergangenen Jahr sehr herausfordernd. Aufgrund verschiedener Entwicklungen war die Zufriedenheit vieler Mitarbeiter rapide gesunken.

Gleichzeitig wurden von der Geschäftsleitung Schulungs- und Trainingsangebote favorisiert die Verkaufszahlen steigern und den Profit maximieren sollten.

Nur wenige Mitarbeiter empfanden die Weiterbildungen als Mittel zur Befähigung. Die meisten empfanden es als Bestrafung und Belastung.

Bei einer Tagung kam der Frust der Mitarbeiter lautstark zum Ausdruck. Klar war, so geht es nicht weiter. Was tun? Mein Klient saß zwischen zwei Stühlen.

Wie konnte er den Wünschen der Geschäftsleitung gerecht werden? Wie konnte er gleichzeitig die Bedürfnisse der Belegschaft berücksichtigen?

Als er mich anrief, um einen Coaching-Termin zu vereinbaren, bat ich ihn, bis zu unserem Treffen seine Beobachtungsgabe zu schulen.

Ich lud ihn ein, die folgenden drei Beobachtungen vorzunehmen und die Informationen zum Coaching mitzubringen.

Folgende Übungsanleitung schickte ich ihm. Ursprünglich stammt sie von Starhawk, Autorin des Buches „The Eathpath“. Ich habe die Vorgehensweise fürs Business modifiziert.

EINSTIEG IN DIE KUNST DER BEOBACHTUNG

I.) I WONDER
Ich wundere mich …

Wenn Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Dinge, Situationen, Entwicklungen lenken, sagen Sie z.B.:

  • Ich wundere mich, warum die Geschäftsleitung diese Art von Schulungen favorisiert, obwohl die Mitarbeiter ganz andere Bedürfnisse haben.
  • Ich wundere mich, warum die Mitarbeiter nichts sagen, wenn sie das Gefühl haben, dass ihnen die Schulungen nicht das bringen, was sie brauchen.
  • Ich wundere mich, warum die Geschäftsleitung bereit ist, so viel Geld in die Mitarbeiterrekrutierung zu investieren, statt die Mitarbeiter zu halten.
  • Ich wundere mich,…

Machen Sie sich keine Gedanken über die Analyse. Konzentrieren Sie sich nur auf die Dinge, über die Sie sich wundern. Finden Sie so viele »I wonders« wie möglich.

Nehmen Sie sich dazu 5 – 15 Minuten Zeit.

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II.) ENERGIE BEOBACHTEN
Wie kommt Energie in das System?

Beobachten Sie das Miteinander der Menschen. Wie kommt Energie in das Unternehmenssystem? Wie findet ein Austausch statt? Es gibt viele Arten von Austausch: Kontakte, Kommunikation, Konflikte …

Wo und wie zeigt sich anziehende Energie z.B. in Form von Sympathie? Wo und wie zeigt sich abstoßende Energie z.B. in Form von (unterschwelliger) Aggression, Ablehnung oder Ignoranz?

Betrachten Sie die Beziehungsmuster zwischen den Menschen. Was fällt Ihnen auf? Machen Sie sich Notizen.

Beobachten Sie z.B.

… wo gute Stimmung herrscht und viel gelacht wird.
… wo viel getratscht und geklatscht wird.
… wer bei Mitarbeitern beliebt ist.
… wer kaum mit Kollegen spricht.
… wer sich konstruktiv austauscht.
… wer sich destruktiv verhält.
… wer (unterschwellig) aggressiv ist.
… wer herausragend engagiert ist.
… wie Entscheidungen der Geschäftsleitung auf die Mitarbeiter wirken.
… wie Verhalten der Mitarbeiter auf die Geschäftsleitung wirkt.

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III.) GEMEINSCHAFTEN BEOBACHTEN
Welche Muster lassen sich erkennen?

Wahrscheinlich werden Sie, wenn Sie sich auf diese Art der Beobachtungen einlassen, Muster erkennen. Muster sind wiederkehrende dominante Verhaltensweisen.

Jedes Muster ist nur EINE optionale Möglichkeit. Viel mehr Handlungsmöglichkeiten bieten sich an – in jeder Situation.

Beobachten Sie:

• Welche Menschen tun sich gerne zusammen?
• Welche Menschen sind abteilungsübergreifend miteinander verbunden?
• Welche Menschen unterstützen andere?
• Welche Menschen distanzieren sich scheinbar von anderen?
• Welche Menschen befinden sich gerne in Gemeinschaften?
• Welche Menschen arbeiten isoliert?
• …

Bewerten Sie Ihre Beobachtungen nicht. Bringen Sie diese einfach neutral zu Papier bzw. auf Ihr Laptop ö.ä.

WAS DIESE BEOBACHTUNGEN BEWIRKEN KÖNNEN

Ich war – dass muss ich sagen – wirklich überrascht, welche Erkenntnisse mein Klient aus diesen und noch weiteren Beobachtungen ziehen konnte.

Um es kurz zu machen: Der Leiter des Weiterbildungsressorts ist gerade dabei alle Schulungen, Trainings und Tagungen neu designen zu lassen.

Nachdem wir seine Beobachtungen analysiert und ausgewertet haben, konnte er ein geniales Konzept für mitarbeiterorientierte Bildungsangebote entwickeln, das auch den Bedürfnissen der Geschäftsleitung gerecht wird:

Es ist zukunftsweisend, ressourcenschonend und profitorientiert.

»Geniale Themen, interessante Vorgehensweise. Bin gespannt …« Solche Rückmeldungen hat das Schulungsteam schon von Führungskräften erhalten.

Die Stimmung im Unternehmen entspannt sich Zusehens. Es spricht sich rum, dass sich etwas zum Wohle aller ändert.

JETZT SIND SIE DRAN

Sie haben jetzt gesehen, wie pragmatisch und greifbar die Beobachtungen sein können.

Wenn Sie nun loslegen wollen, beobachten Sie am besten …

… von der Meta- zur Mikro-Ebene.
… vom Großen zum Kleinen.
… vom Bekannten zum Unbekannten.
… vom Offensichtlichen zum Verborgenen.

Probieren Sie es aus, wenn Sie gerade dabei sind, Konzepte zu kreieren, Ideen umzusetzen, Projekte planen oder einfach mal eine neue Erfahrung machen möchten.

Sie können diese Beobachtung auch auf andere Bereiche übertragen: Natur, Produktion, Entwicklung, Unternehmensgründung …

SCHLUSSBEMERKUNG

Geniale Lösungen, wie sie in der Permakultur zu finden sind, lauern jenseits des üblichen Denkens.

Geniale Lösungen tauchen auf, wenn wir „GANZHEITLICH BEOBACHTEN“ bevor wir DENKEN, PLANEN und HANDELN.

Unsere Beobachtungsgabe zu schulen und zu lernen, Beobachtungen von Bewertungen zu unterscheiden, sind zentrale Fähigkeiten, die wir immer weiter ausbauen und nutzen können.

Heute wollte ich Ihnen den Einstieg ins Thema schmackhaft machen. Beim nächsten Artikel geht es dann darum, Ihre Beobachtungsgabe noch weiter zu entfalten – denn das Beobachten hört nie auf.

Nun wünsche ich Ihnen viel Freude beim Wundern, Energien und Gemeinschaften beobachten.

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