»Eine neue Art von Denken ist notwendig,
wenn die Menschheit weiterleben will.«
Albert Einstein

Ganzheitlich denken – was ist damit gemeint? Was bringt mir das? Wieso sollte ich diesen Artikel lesen? Lassen Sie mich die letzte Frage zuerst beantworten. Als Business Coach arbeite ich seit vielen Jahren erfolgreich mit Selbstständigen sowie kleinen und mittelständischen Unternehmen zusammen. Meine Kunden kommen aus ganz Deutschland und allen möglichen Branchen. Ich habe treue Klienten, die z.B. als Trainer in Großkonzernen arbeiten, aber auch Dienstleister aus der Immobilienbranche, Heilpraktiker, Grafiker und viele andere. Seit Jahren kommen viele extra aus München, Berlin oder Hamburg zu mir nach Ratingen (Nachbarstadt von Düsseldorf). Bei einem großen Verdrängungswettbewerb im Bereich Business Coaching, Marketing und Kundengewinnung freue ich mich über diese Entwicklung. Dass Menschen diesen Extraaufwand auf sich nehmen, hat für viele einen guten Grund. Es ist mein ganzheitliches Denken im Business.

Es gibt viele Gründe, weshalb wir gemeinsam eine neue Art des Denkens im Business etablieren sollten. Und, es gibt viele Gründe, weshalb Sie ganzheitliches Denken für sich nutzen sollten. Bevor wir gleich die Vorteile beleuchten, lassen  Sie uns kurz anschauen, welche Veränderungen wir derzeit in der Wirtschaft erleben.

»Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung.«
Heraklit von Ephesus

Neues Denken greift um sich

Wirtschaftlich stehen wir derzeit an einem echten Wendepunkt. Während die Medien täglich über Krisen und Katastrophen in der Wirtschaft berichten, wird Wirtschaftswachstum von vielen Menschen längst nicht mehr nach den Kriterien höher, schneller und weiter definiert. Nachhaltigkeit, Sinnhaftigkeit und Freude an Dingen jenseits des Materiellen zählen zu den neuen Erfolgskriterien. Selbstverwirklichung und der Happiness-Faktor spielen eine immer größere Rolle bei der Berufswahl und Arbeitsplatzgestaltung. Statt ausschließlich äußeres Wachstum voranzutreiben, wollen immer mehr Menschen auch im Beruf ihr inneres Wachstum fördern. Wie ist es mit Ihnen? Wie geht es Ihnen mit all den Veränderungen? Was lässt Sie morgens gerne aufstehen?

Für alle, die bereit sind »erfüllt« zu arbeiten und etwas zu tun, was ihnen Spaß macht wird der derzeitige Wirtschaftswandel ein willkommener Weckruf sein. Für alle, die gerne die nächsten zwanzig Jahre mit der gleichen Arbeit verbringen wollten, bringt die Instabilität im Business derzeit viel Unsicherheit und Haltlosigkeit. Wie sehen Sie die Situation? Zu welcher Gruppe fühlen Sie sich zugehörig?

So oder so brauchen wir derzeit alle Mut, um mit den aktuellen Veränderungen umzugehen. So oder so können wir alle durch ganzheitliches Denken nicht nur unser eigenes Leben positiv beeinflussen, sondern auch das Leben unserer Kunden, Kollegen, Mitarbeiter, Kooperationspartner und Vorgesetzten (sofern wir angestellt sind).

Was ist ganzheitliches Denken?

Wahrscheinlich haben Sie den Begriff schon mal gehört. Was verbinden Sie mit ihm? Für mich ist ganzheitliches Denken die Fähigkeit über einfache Ursache-Wirkungsprinzipien hinauszugehen und nicht nur eine einseitige Ist-Analyse vorzunehmen. Ich erlebe es immer wieder als eine wundervolle Möglichkeit, komplexe Situationen aus einer neuen Perspektive zu betrachten.

Praxisbeispiel: Vor kurzen suchte mich der Dipl. Ingenieur Frank (Name geändert) auf. So wie viele Selbstständige und Inhaber von Unternehmen beschäftigte er sich mit der Frage, welche wirtschaftliche Entscheidung richtig wäre, um bei den vielen aktuellen Veränderungen auch weiterhin erfolgreich wirtschaften zu können.

  • Seine Ausgangssituation:
    Aufgrund einer eingebrochenen Auftragslage überlegte er, ob er einen oder zwei Mitarbeiter entlassen sollte. Seine Gedanken kreisten immer wieder um das Thema Personalkosten und Entlassungen.
  • Sein Zwiespalt:
    Das Thema bereitete ihm Bauchschmerzen, weil jeder seiner sechs Mitarbeiter besondere Fähigkeiten ins Team einbrachte. Im Grunde konnte er bei einer besseren Auftragslage auf keinen verzichten.
  • Die Auswirkungen:
    Sein innerer Konflikt hatte inzwischen zu Schlafstörungen und Spannungen im Büro geführt. So wie sein Ton seinen Mitarbeitern gegenüber rauer geworden war, war auch die Stimmung im Team schlechter geworden.
  • Sein Wunsch an mich:
    Eine klare Entscheidung zu treffen, die sein Unternehmen nicht nur kurzfristig vom finanziellen Engpass befreit, sondern auch mittel- und langfristig positive Auswirkungen mit sich bringt.
  • Unsere Vorgehensweise:
    Im Business Coaching lernte Frank eine erweiterte Sichtweise kennen und schätzen. Wir beleuchteten vier Bereiche seines Unternehmens.

Übrigens: Wenn Sie jetzt denken, ich habe aber kein Unternehmen oder keine Angestellten, dann werden Sie trotzdem von dem Beispiel profitieren, weil diese vier Bereiche auch in Ihrem Alltag vorkommen und sich gegenseitig beeinflussen. Jeder Selbstständige, jeder Inhaber eines Unternehmens und jede Führungskraft ist immer in alle vier Bereiche gleichermaßen eingebunden.
Auch Sie leiten innere Werte, Glaubenssätze und eine ganz individuelle Wahrnehmung (1. Bewusstseinsbereich). Gleichzeitig streben Sie danach, zu tun, was Sie für angemessen halten (2. Verhaltensbereich). Was auch immer Sie tun, wird von den Erwartungen, dem Rollenverständnis anderer und den Werten und Normen Ihres Umfeldes beeinflusst werden (3. Unternehmenskultur). Gleichgültig, in welcher Position Sie tätig sind, werden Ihre Erfolge von den strukturellen Gegebenheiten des Umfeldes abhängig sein (4. Systembereich). Die folgende Infografik veranschaulicht diese vier Bereiche.

4 Felder-Matrix für ganzheitliches Denken

Ganzheitliches denken 4 Felder Matrix

Kommen wir zu unserem Fallbeispiel zurück. Schauen wir, wie wir im Fall von Frank vorgingen und wie auch Sie diese Vorgehensweise für sich nutzen können.

  1. Bewusstseinsbereich
    Wir beleuchteten seine Vorstellungen, Motive und Werte in Bezug auf seine Führung in der aktuellen Situation.
  2. Verhaltensbereich
    Wir hinterfragten die Angemessenheit seines Verhaltens gegenüber seinen Kunden, Mitarbeitern, Partnern, … in der aktuellen Situation.
  3. Unternehmenskultur
    Wir schauten uns die handlungsleitenden Rollen, Normen und Regeln seines Unternehmens in der aktuellen Situation an.
  4. Systembereich
    Wir untersuchten die Abläufe, Prozesse und Strukturen seines Unternehmens in der aktuellen Situation.

Raum für Reflexion schafft neue Perspektiven

Durch den Raum für diese Art der Reflexion wurde dem Inhaber des bisher sehr erfolgreichen Planungsbüros bewusst, dass es einige Defizite in seinem Verhaltensbereich gab. Frank wurde durch diese systematische Betrachtungsweise schnell bewusst, welche Weichen neu zu stellen sind. Dass seine Mitarbeiter auf ein Zeichen und ehrliches Wort von ihm warteten, hatte er bei all seinen Sorgen gar nicht wahrgenommen. Bisher gab es kein offenes Wort über die aktuelle Auftragslage und seine finanzielle Situation – was die Stimmung immer mehr verschlechtert hatte. Auch bei der Förderung einer gesunden Unternehmenskultur entdeckte Frank einen Engpass. Die unausgesprochene Regel, dass er als Vorgesetzter alleine Entscheidungen traf, wirkte sich in der aktuellen Situation nachteilig für alle aus. Er erkannte: Alle waren von der Auftragsflaute betroffen. Warum sollten nicht auch alle gemeinsam eine Lösung finden, wie die Auftragslage belebt werden könnte?

Als Frank sich mit den derzeitigen Strukturen seines Unternehmens auseinandersetzte, wurde ihm bewusst, wie viele Ressourcen er in den letzten Jahren nicht geweckt hatte. Aufgrund der permanent guten Auftragslage hatte er sich nie ein nachhaltiges Marketingsystem aufgebaut. Kundenbeziehungen wurden, nach dem erfolgreichen Abschluss eines Auftrages, nicht weiter gepflegt. Es gab kein CRM, keine Kundenbindungsmaßnahmen, keinen Newsletter und auch über Online-Marketing hatte er nie nachgedacht – die Internetpräsenz war schon lange nicht mehr aktuell.

Der ganzheitliche Blick auf seine Unternehmenssituation hat bei Frank vieles verändert. Ihm wurde bewusst, dass es aktuell nicht vorrangig darum gehen sollte, die Personalkosten zu senken, sondern das es vielmehr darum gehen sollte, die Potenziale seines Unternehmens besser auszuschöpfen.
Alleine die kurze Reflexion dieser vier Bereiche ließ ihn ahnen, wie er mit relativ wenig Aufwand, und gemeinsam mit seinem Team, die Auftragslage selbst wieder ankurbeln konnte. Der ganzheitliche Blick hat ihm viele Ressourcen in seinem Unternehmen aufgezeigt, die er bisher nicht gesehen und genutzt hatte. Dazu gehörte ein lebendiges Kundenmanagement, sofortige Mitarbeiterintegration und zeitgemäßes Marketing.

Was spricht für ganzheitliches Denken?

Jedes Unternehmen unterliegt dynamischen Prozessen – auch jedes Solounternehmen. Jede Veränderung, und mag sie noch so klein erscheinen, kann über den künftigen Erfolg oder Misserfolg bestimmen. Jede Entscheidung kann die Zusammenarbeit mit anderen nähren und stärken oder behindern. Betrachten wir einzelne Aspekte gesondert vom Ganzen, erfassen wir immer nur einen Teil der Wahrheit. Betrachten wir Aspekte im systemischen Zusammenspiel, erfassen wir einen größeren Bezugsrahmen und können Wechselbeziehungen erkennen und steuern. Durch eine ganzheitliche Betrachtungsweise lassen sich negative und positive Rückkoppelungen leichter ableiten.
Je mehr Perspektiven wir einnehmen können, desto leichter können wir uns selbst und andere im Rahmen eines komplexen Systems betrachten. Je mehr wir uns unserer inneren Einstellungen und äußeren Verhaltensmuster bewusst sind, desto leichter können wir unsere Potenziale (und die unseres Unternehmens) voll ausspielen. Müsste ich den Nutzen dieser Vorgehensweise einen Satz packen, würde ich sagen: „Ganzheitliches Denken ermöglicht, innere Widersprüche schnell aufzudecken und äußere Konflikte leichter zu entschärfen.“

Ganzheitliches Denken – das Fundament für weise Weichenstellungen

Ganzheitliches Denken ist aus meiner Sicht die optimale Grundlage für weise Veränderungen in Unternehmen – gleichgültig, ob es sich um Solounternehmen oder große Konzerne handelt. Wer Veränderungen anstößt, ohne sich über die Wirkung auf das Gesamtsystem bewusst zu sein, erzielt häufig nicht die gewünschten Ergebnisse. Wer über die üblichen Denkmuster hinausschaut, gewinnt Weisheit und ermöglicht umsichtige Entscheidungen zu finden für zukünftige Handlungen, Strategien und Ziele.

Ganzheitliches Denken ermöglicht, …

  • neues Selbstbewusstsein zu gewinnen,
  • Schwachstellen im System zu erkennen und zu beheben,
  • die Selbstwirksamkeit (eigene und Mitarbeiter) zu erhöhen,
  • komplexe Zusammenhänge besser zu verstehen,
  • mentale, kommunikative und soziale Kompetenz zu verbessern,
  • eine bessere Weichenstellung vorzunehmen.

Ganzheitliches Denken reduziert das Risiko, …

  • voreilig Fehlentscheidungen zu treffen,
  • später Korrekturen vornehmen zu müssen,
  • aus Unsicherheit planlos zu agieren.

Ganzheitliches Denken schenkt neues Bewusstsein

Es ist die Art der Betrachtung, die Ergebnisse verändert. Vielleicht fragen  Sie sich jetzt, wie und wo man ganzheitliches Denken anwenden kann. Überall: Es kann auf einzelne Personen, Organisationen, Länder und die Welt angewandt werden. Die Komplexität der heutigen Zeit braucht Vereinfachung und wichtige Entscheidungen brauchen essenzielle Fragen. Den Umgang mit diesen essenziellen Fragen kann man lernen.
Wenn Sie den Mehrwert ganzheitlichen Denkens erkannt haben, fragen Sie sich jetzt vielleicht, wie Sie Ihre berufliche Situation aus einer ganzheitlichen Perspektive betrachten können. Ganz einfach: Verwende Sie einfach die folgenden Fragen. Definieren Sie Ihre Situation, um die es derzeit geht, und beschäftigen Sie sich mit den folgenden Fragen. Nehmen Sie sich Zeit dafür. Erlauben  Sie sich, neue Facetten der Situation zu erkennen. Ermöglichen Sie sich, verschiedene Aspekte zu betrachten.

Ganzheitlich denken Selbstreflexion

Ganzheitlich denken Selbstreflexion

1. Individuell – Innen
Bewusstseinsbereich

  • Welche Bedürfnisse, Motive und Glaubenssätze habe ich dazu?
  • Wie bewerte ich die Situation?
  • Was erwarte ich von mir selbst?

2. Individuell – Außen
Verhaltensbereich

  • Welche Erwartungen haben andere an mich?
  • Welche Erwartungen will ich erfüllen?
  • Wie gut erfülle ich diese?

3. Kollektiv – Innen
Kulturbereich Organisation/Unternehmen

  • Welche Regeln und Normen existieren?
  • Wie möchte ich damit umgehen?
  • Welche sind nützlich?
  • Welche behindern?

4. Kollektiv – Außen
Systembereich Organisation/Unternehmen

  • Welche Funktion innerhalb des Unternehmens fülle ich aus?
  • Welche Ressourcen (Systeme, Prozesse, …) bietet das Unternehmen?
  • Welche Mittel stehen mir zur Verfügung?
  • Welche Abläufe, Prozesse und Strukturen beeinflussen meine Ergebnisse?

Wie könnte es idealerweise aussehen? Welche Möglichkeiten sehen Sie nun? Wenn Sie feststellen, dass die Betrachtung dieser vier Bereiche zwar Antworten aber auch noch viele Fragen liefert, dann empfehle ich Ihnen den Austausch und die Reflexion mit einem Sparringspartner. Wenn Ihnen der Blogbeitrag gefällt, laden Sie ihn als PDF auf Ihren Rechner und drucken Sie ihn aus. So können Sie immer wieder auf die Fragen zurückgreifen. Wenn Sie zusätzlich feststellen, dass Sie gerne tiefer in das Thema des ganzheitlichen Denkens eintauchen möchten, dann empfehlen wir das Buch:
»Anders wirtschaften – was Erfolgreiche besser machen«
Integrale Konzepte für ein neues Wachstum in dynamischen Märkten
Jens Hollmann und Katharina Daniels (Hrsg.)
Gabler Verlag

Wenn Sie noch Fragen haben oder Sie sich über Ihree Erfahrungen austauschen möchten: einfach ins Kommentarfeld schreiben oder im März zum Barcamp Business kommen! Bei Interesse können wir dort das Thema gerne vertiefen.

Ganzheitlich denken Cover PDF

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