Wir waren neugierig und interviewten die Urheberin dazu. Lesen Sie, was es mit der „Gelassenheitsformel“ auf sich hat. Lauschen Sie unserem Interview mit Martina Baehr.

Astrid-Beate Oberdorf:
Liebe Martina, wir kennen Dich seit vielen Jahren, als Expertin für CorBusiness und  HeartMath-Coach. Gemeinsam mit Sylvie Bueb, Personalexpertin und Trainerin, hast Du jetzt ein sehr interessantes Webinar konzipiert. Der Titel lautet „Gelassener arbeiten und trotzdem erfolgreicher sein“. Sagen da nicht viele Menschen „Das klingt doch paradox“?
Mögt Ihr uns Eure Idee von der „Gelassenheitsformel“ kurz vorstellen und erklären, was es damit auf sich hat?

Martina Baehr:
Viele Menschen wünschen sich mehr Gelassenheit im Arbeitsalltag. Ganz einfach weil sie ihren Berufsalltag oft genau anders erleben. Sie müssen sich immer mehr anstrengen um erfolgreich zu sein. Das eigentlich paradoxe dabei ist, trotz der vielen Anstrengung merken viele, dass das Ergebnis nicht besser wird. Dass sie eigentlich weniger effektiv sind. Man ist erschöpft und oft geht die Freude an der Arbeit verloren. Und viele wissen einfach nicht, was genau sie tun können, um das zu ändern.

Astrid-Beate Oberdorf:
Woher kommt eigentlich der Glaube, dass mehr Anstrengung immer mehr Output gewährleistet? Ich denke, wir sind noch sehr vom Maschinendenken der Industriezeit geprägt. Und eine Maschine funktioniert ja auch genauso. Solange es die Kapazität hergibt –  ergibt mehr Input auch mehr Output. Aber der Mensch ist ein lebendiges Wesen. Und da funktioniert das eben nicht.

Martina Baehr:
Wenn man in Menschen immer mehr „hineinstopft“ dann bleiben Kreativität und Problemlösungsfähigkeit auf der Strecke. Wir machen immer mehr von demselben, weil wir neue, alternative Lösungsmöglichkeiten dann gar nicht mehr wahrnehmen können. Wir strengen uns immer mehr an und es kommt immer weniger raus. Und wir suchen oft die Lösungen im Außen. Meist sind es neue Methoden – wie z. B. im Projektmanagement die Agile Vorgehensweise. Die ist zurzeit sehr en vogue. Nicht dass ich was gegen diese Methode hätte, sie macht grundsätzlich viel Sinn.
2015 09 17 Gelassenheitsformel Martina Baehr Sylvie Bueb

Die innere Haltung mit der man an etwas herangeht ist ein wichtiger Erfolgsfaktor

Aber nicht, wenn sie mit der gleichen inneren Haltung, der gleichen Einstellung eingesetzt wird wie die vorher benutzten Methoden auch. Dann verstärkt sich der Druck auf die Beteiligten nur.

Die Gelassenheitsformel setzt einen Schritt davor an. Vor der Auswahl und dem Einsatz neuer Methoden. Es geht darum unsere innere Haltung – die Wirkung unserer Gefühle, Gedanken und unserer Einstellungen auf uns selbst und deren Wirkungen im Arbeitsumfeld zu verstehen. Zu lernen, seine Gefühle zu regulieren. In stressigen Situationen nicht einfach automatisch dem inneren Impuls zu folgen. Zu lernen, wie man positive Gefühle wie Gelassenheit, Selbstvertrauen und Wertschätzung für sich und andere kultiviert. Diesen  Lernprozess sollte man nicht dem Zufall überlassen, sondern mit einer konkreten Handlungsanweisung dann umzusetzen.
Mit einer solchen positiven inneren Haltung, die man sich aneignen kann, sind wir dann gewappnet für alle Herausforderungen und auch den Umgang mit wirklich schwierigen Situationen.

Astrid-Beate Oberdorf:
Kannst Du uns dafür ein konkretes Beispiel geben?

Martina Baehr:
Na klar, ein gutes Beispiel dafür sind z. B. Teammeetings. Im Rahmen von Scrum/den Agilen Methoden werden sogenannte Standup-Meetings eingesetzt. In kurzen Abständen und kleinen Zeiteinheiten trifft sich das Team, um sich über den Fortschritt des Projektes und die zu erledigenden Schritte zu verständigen. Wenn alle Beteiligten jetzt mit einer vor allem ziel- und ergebnisorientierten inneren Einstellung: „Am wichtigsten ist meine Leistungsfähigkeit, ich muss möglichst effizient und schnell meine Arbeitspakete erledigen“ in das Meeting hineingehen erzeugt das eine gewisse Stimmung von Dringlichkeit und Druck. Dann sind die Hauptthemen sicher die harten Facts wie Arbeitspakete erledigen, technische Probleme ausräumen, andere möglichst schnell überzeugen etc. Das ist an sich nicht schlecht, wenn es aber Probleme auf der menschlichen Ebene gibt, werden diese so gar nicht sichtbar. Im Gegenteil, oft haben wir dann das Gefühl solche Anmerkungen sind kontraproduktiv bzw. nicht gewünscht.


Wertschätzung, Mitgefühl und Vertrauen sind wichtige innere Erfolgsfaktoren für eine gute Zusammenarbeit

Wenn wir aber mit einer inneren Haltung der Wertschätzung und des Mitgefühls für die anderen Teammitglieder in das Meeting gehen, dann nehmen wir wahrscheinlich ganz andere Dinge wahr. Wir spüren, dass manche unter Druck stehen, sich mehr Unterstützung wünschen oder ihre Fähigkeiten stärker einbringen möchten, sich aber nicht trauen. Dann werden solche Themen wahrscheinlich auch angesprochen, das Team traut sich, auch solche Dinge anzusprechen und auszutauschen. Und auch auf dieser Ebene zu lernen. Ohne dass man Angst hat, seine Schwächen zu zeigen. Insbesondere die Haltung des Teamleiters ist hier von außerordentlicher Wichtigkeit. Diese „Vertrauens-Atmospäre“ wird von der inneren Einstellung des Teamleiters und der Teammitglieder erzeugt oder besser geprägt. Und da kann ich auch gezielt ansetzen. Das ist viel wirkungsvoller als später Dinge aufzugreifen, die schon in den Brunnen gefallen sind.

Astrid-Beate Oberdorf:
Wer, so wie Ihr, Gelassenheit in die Köpfe von High Potentials (vielleicht Leistungsträger?) bringen möchte, betritt ein heißes Pflaster.
Gerade bei Fachkräften, Selbstständigen und Inhabern mittelständischer Unternehmen sehen wir es häufig, dass sich viele danach sehnen, die beruflichen Herausforderungen souveräner und gelassener zu meistern. Schließlich wachsen die Herausforderungen durch Globalisierung, Digitalisierung und endlose Umstrukturierungen in vielen Branchen. Gleichzeitig machen wir die Erfahrung, dass gerade Menschen (vor allem Männer) in verantwortungsvollen Positionen sich nicht gerne mit dem Thema Stressmanagement auseinanderzusetzen? Aber sind das nicht gerade die Personen, für die Euer Webinar Gold wert ist?

Martina Baehr:
Ich muss ehrlich sagen, ich tue mich mit dem Begriff „Stressmanagement“ auch sehr schwer. Weil ich finde, dass diese Sichtweise sehr pathologisch ist. Der Blickwinkel/die Perspektive ist auf das Defizit gerichtet. Damit möchte man sich nicht identifizieren. Man möchte keine Schwäche zeigen und mit den „Burn-out“ Fällen in einen Topf geworfen werden. Aber die Angst, das Bewusstsein, dass einem so etwas passieren kann, ist in den Köpfen der meisten Führungskräfte präsent. Was ist also zu tun?


Neue Lösungsstrategien versus Stressmanagement

In meinen schwierigsten Projekttagen hätte ich mir mehr Gelassenheit und Souveränität gewünscht. Aber ich hätte mit dem Thema Stressabbau auch nicht wirklich etwas anfangen können. Ich wollte ja keinen Stress abbauen, sondern ich wollte eine passende Lösung für mein Problem. Stress gehört einfach zu unserem Arbeitsalltag und in gewisser Weise ist er auch stimulierend für uns. Aber dann befindet man sich im Sog der Probleme und Dringlichkeiten und spürt die ersten körperlichen Signale. Dann sucht man nach Lösungen und braucht eine konkrete Methode, die einem dann weiterhilft.

Ich kann mich erinnern, dass ich einfach nach besseren Problemlösungsstrategien gesucht habe. Trotzdem war ich damals natürlich sehr oft im Stress-Modus gefangen. Einem Modus in dem ich aufgrund des Druckes und der Belastung manche Lösungsalternativen gar nicht mehr wahrnehmen konnte. Gefangen in meinen Problemschleifen, sozusagen.

Das ist ja auch ein paradoxes Phänomen, im Stress-Modus sehen wir die vorhandenen Potenziale nicht. Wir müssen also schon an unserem inneren Zustand ansetzen, um da wieder raus zu kommen. Sonst erzeuge ich immer die gleichen Probleme. Das ist ja das was Albert Einstein meinte, als er sagte ein Problem kann nicht auf der gleichen (Bewusstseins-)Ebene gelöst werden, wo es entstanden ist. Wenn ich also versuche, mein Befinden rein mental zu lösen, gelingt mir das nur selten. Ich muss eine andere Bewusstseinsebene einbeziehen, die mit meiner Intuition zusammenhängt. Ich lege sozusagen den Schalter um und kann dann das Problem aus einer anderen Perspektive betrachten.


Die Wissenschaft beweist mittlerweile die Bedeutung von Bewusstsein und Achtsamkeit

Man weiß heut sehr viel mehr über das Funktionieren unseres Gehirns und seiner Interaktion mit dem Herzen. Wissenschaftliche Studien zeigen ganz klar, wie beispielsweise unser Herzrhythmus unsere Denkfähigkeit beeinflusst. Östliche Traditionen wie der Buddhismus treffen sich heute mit den Ergebnissen aktueller Forschungen der Neurologie, der Neuropsychologie oder Psychoimmunologie.

Was ich damit sagen will, ich kann verstehen dass man diesem Thema skeptisch gegenübersteht. Es muss einfach auch richtig kommuniziert werden. Im Business geht es nicht darum, Menschen zu therapieren, sondern Menschen zu befähigen, ihre Probleme auf eine angemessene Art und Weise zu lösen.

Astrid-Beate Oberdorf:
Du sprichtst wissenschaftliche Studien an, hast Du hier mal Beispiele?

Martina Baehr:
Da würde ich gerne ein aktuelleres sehr konkretes Beispiel vom HeartMath Institute in den USA anführen. In der Zeitschrift Global Advances in Health and Medicine 2012 sind die Ergebnisse eine Studie aus einem Programm mit Polizeibeamten erschienen. Jeder würde mir wahrscheinlich darin zustimmen, dass Polizeibeamte sehr oft großen – auch zwischenmenschlichen – Belastungen ausgesetzt sind. Die 65 Teilnehmer des Programms haben über 6 Wochen hinweg entsprechende Übungen zur Veränderung der inneren Haltung, insbesondere der Gefühlsregulierung in ihren Arbeitsalltag integriert. Die regelmäßige Anwendung der Übungen im Arbeitsalltag haben sowohl einen messbaren, positiven Einfluss auf den körperlichen Zustand zum Beispiel die Verbesserung von Schlaflosigkeit,, Angstreaktionen, Verdauungsbeschwerden und der Herzfrequenz. Aber sie wirken sich auch konkret auf die Arbeit aus. Die Teilnehmer verbesserten ihre  Bewältigungsstrategien im Umgang mit schwierigen, belastenden Situationen und ihre zwischenmenschlichen Fähigkeiten. Und auch die Work-Life-Balance und die Familie profitierte davon.


Nur die konkrete Verhaltensänderung im Berufsalltag bringt die gewünschten Ergebnisse

Das wichtige ist, dass die Übungen in den Arbeitsalltag integriert werden und kontinuierlich durchgeführt werden. Sonst erzielt man einfach keine Effekte. Wenn man das regelmäßig tut, reichen schon 10 bis 15 Minuten pro Tag aus, um innerhalb von 6 Wochen sehr positive Ergebnisse zu erzielen. Man spürt die Veränderungen aber schon in den ersten Wochen, weil man ja kontinuierlich etwas tut. So erzählen uns die aktiven Teilnehmer unseres Programms, dass Sie schon in den ersten zwei Wochen einen spürbaren Effekt im Hinblick auf innere Ruhe und Gelassenheit verspüren.
Link zur Studie: „Resilience Training Program Reduces Physiological and Psychological Stress in Police Officers“

Astrid-Beate Oberdorf:
Ihr bietet am 06. Oktober. um 19.00 Uhr ein kostenfreies Informations-Webinar an. Wer profitiert am meisten von der Teilnahme? Und ganz ehrlich: Für wen ist das Webinar gar nichts? Wer sollte sich also unbedingt noch dazu anmelden?

Martina Baehr:
Das Webinar ist für all diejenigen gedacht, die wirklich neue, innovative Lösungen suchen, um mehr innere Gelassenheit zu entwickeln. Die bereit sind, sich mit ihrem Inneren – ihren Gedanken und vor allem ihren Gefühlen – zu beschäftigen. Wer Gefühle wie innere Gelassenheit verstärken will, der kann einfach lernen, wie man solche Gefühle kultiviert. Und welche Bedingungen es dazu braucht.

Und er sollte bereit sein, dafür 10 bis 15 Minuten Zeit pro Tag zu investieren. Das ist wie mit allen anderen Dingen, die ich lernen möchte. Eine Sprache kann ich auch nicht in 3 Tagen und ohne entsprechenden Zeiteinsatz erlernen. Dazu braucht es vor allem Anwendung und Praxis. So ist es mit der Gelassenheitsformel auch. Die Übungen sind einfach und praxistauglich – also direkt in der jeweiligen Arbeitssituation einsetzbar. Aber ich muss das dann auch regelmäßig praktizieren, damit ich die Effekte spüre, will heißen es auch zu körperlichen Veränderungen kommt.

Wir gehen im Webinar auf konkrete Beispiele aus unseren Coachings ein und zeigen beispielsweise, wie ein Teilnehmer seine nervösen Herzbeschwerden und Muskelverspannungen so in den Griff bekommen hat. Die Effekte der Übungen kann man übrigens auch messen. Das ist genau wie bei der körperlichen Fitness, der Aufbau von emotionaler und mentaler Fitness funktioniert ganz genauso.

Astrid-Beate Oberdorf:
Mal angenommen, jemand interessiert sich für die Teilnahme und hat so kurzfristig keine Zeit. Was empfehlt ihr an dieser Stelle?

Martina Baehr:
Wenn jemand kurzfristig keine Zeit hat, das Webinar werden wir zukünftig regelmäßig anbieten. Außerdem ist unsere neue Website gerade online gegangen www.gelassenheitsformel.com. Wir haben auch eine Facebook-Fanpage .

Über unseren Blog werden wir regelmäßig Tipps geben, von Erfahrungen berichten und auch andere Experten zu Wort kommen lassen. Unsere Produkte sind zurzeit das 6-Schritte-Online-Programm, das Individualcoaching und ein Impulsvortrag. Aber wir haben schon einige weitere Produkte geplant. Einfach die Fanpage liken oder sich für den Newsletter auf der Website eintragen, dann bekommt man automatisch alle Informationen.

2015 09 17 Gelassenheitsformel Foto

Bildrechte Beitragsbild:
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Gelassenheitsformel – Rechte bei Martina Baehr

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